Tiefgang
Schleswig-Holstein stellt auf Open Source um
Lesedauer: 7 Min.
Als erstes Bundesland wird Schleswig-Holstein eine Arbeitsplatzumgebung auf Open-Source-Basis einführen. Sprich: Microsofts Office-Produkte werden auf Rechnern der Landesverwaltung abgelöst. „Die Hersteller großer IT-Produkte verlagern zunehmend ihre Anwendungen als Clouddienste ins Internet“, nannte Schleswig-Holsteins Digitalminister Dirk Schrödter (CDU) den Beweggrund. Ein Datenabfluss in Drittländer könne im Cloud-Zeitalter nicht ausgeschlossen werden. „Wir haben als Land eine große Verantwortung gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern, dass ihre Daten bei uns sicher aufgehoben sind und dass wir unabhängig agieren“, sagte er SZ Dossier.
Das Landeskabinett hat den Umstieg am 19. März einstimmig beschlossen, morgen wird die Landesregierung die Reform offiziell kommunizieren. Ab dem 1. August soll die Open-Source-Software Libre Office innerhalb der Verwaltung verpflichtend genutzt werden. Wobei Ausnahmen künftig nicht ausgeschlossen seien, „sofern eine Umstellung aufgrund technischer oder fachlicher Gegebenheiten nicht zeitnah erfolgen kann“, heißt es in Begleitdokumenten zum Beschluss, die SZ Dossier vorliegen. In den Landesministerien und -behörden arbeiten rund 30.000 Personen. Die beschlossene Umstellung sei ein „Meilenstein“, sagte Schrödter, aber nur der Einstieg in den Umstieg: „Der Wechsel zu freier Software beim Betriebssystem, der Kollaborationsplattform, dem Verzeichnisdienst, Fachverfahren und Telefonie wird folgen.“
„Eine vollständige Ablösung heute eingesetzter proprietärer Software wird langfristig angestrebt“, heißt es in der Digitalstrategie des Landes (Seite 26). Weitere Komponenten des „souveränen“ Arbeitsplatzes sind zwar kein Teil des Kabinettsbeschlusses, werden in den Begleitdokumenten aber skizziert. Als Betriebssystem ist etwa „eine für den Behördeneinsatz geeignete und professionell unterstützte Linux-Distribution vorgesehen“. Auf Basis von Nextcloud soll zudem eine quelloffene Kollaborationsplattform kommen, mit der „innerhalb der Landesverwaltung sowie mit Externen“ zusammengearbeitet werden kann. Auch ein neuer Verzeichnisdienst ist geplant. Das Land beabsichtigt darüber hinaus, eine IP-Telefonanlage namens Oskar (Open-Source-Kommunikationsarchitektur) einzuführen. „Ab Ende des Jahres 2024 wird Oskar die aktuell auf proprietärer Technik basierende Flexport-Telefonie der Telekom schrittweise ablösen“, heißt es.
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