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Tiefgang

Mit Daten gegen Katastrophen

Lesedauer: 6 Min.

Tritt eine Katastrophe ein, wie etwa das Erdbeben in der Türkei und Syrien, bei dem im vergangenen Jahr Hunderttausende Menschen starben, sind die Verhältnisse oft unvorhersehbar und ändern sich schnell. Etwa, weil Straßen verschüttet sind und Orte vorübergehend unerreichbar. „Trotzdem ist es unerlässlich, den betroffenen Menschen schnell Hilfe zukommen zu lassen“, sagte Stefan Gumbrich vom Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (Heigit) SZ Dossier. „Humanitäre Organisationen benötigen Echtzeitinformationen“, erklärt er: Welche Straßen sind weiterhin befahrbar? Wie ist der Zugang zu Krankenhäusern? Welche Grenzübergänge zwischen Türkei und Syrien sind passierbar?

Das Heigit betreibt das sogenannte Disaster Portal, eine frei verfügbare Weltkarte, die in unterschiedliche Weltregionen beziehungsweise aktive Katastrophengebiete eingeteilt ist. Das Portal ermöglicht es, Nutzenden wie etwa Hilfsorganisationen vor Ort selbst Daten in Echtzeit zu aktualisieren, indem sie etwa Hindernisse auf der Karte markieren. Nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023 setzte das Heigit mit Input von Ärzte ohne Grenzen eine Untereinheit auf dem Disaster Portal für die betroffene Region auf, um die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen im Erdbebengebiet mit Informationen zu unterstützen. Das von Heigit entwickelte Portal stellte aktuell Informationen bereit, die Katastrophenhelfern bei der Planung von Routen und der Erstellung von Erreichbarkeitszonen halfen. Zum Beispiel, indem es mit verfügbaren Daten des Welternährungsprogramms (WFP) Logistics Cluster anzeigte, welche Straßen gesperrt, Brücken zerstört oder Grenzen blockiert waren, so dass diese bei der Erstellung von Routen automatisch vermieden werden konnten.

Das Humanitarian OpenStreetMap Team (HOT), eine US-amerikanische Organisation, kooperiert mit Heigit. Die Hilfsorganisation koordiniert Projekte zur raschen und gemeinschaftlichen Kartierung in dringenden Katastrophensituationen wie beim Erdbeben in der Türkei und Syrien. Das Ziel ist, in Katastrophenfällen schnell brauchbare Karten für humanitäre Helferinnen und Helfer zur Verfügung zu stellen. Beim Erdbeben in der Türkei und Syrien hätten mehr als 15.000 Freiwillige in 13 Projekten Straßen und Gebäude kartiert, sagte Gumbrich. Konkret zeichneten die Freiwilligen Änderungen an Straßen und Gebäuden in OpenStreetMap ein. Jedes Mal, wenn eine Straße in OpenStreetMap hinzugefügt oder bearbeitet wurde, lief die Änderung in das Heigit-Katastrophenportal ein und konnte innerhalb von wenigen Minuten zur Planung von Routen und Erreichbarkeiten verwendet werden.

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