Tiefgang
Abhörskandal: Wurde die Bundeswehr gehackt?
Lesedauer: 5 Min.
Dass Luftwaffen-Offiziere in einer Schalte über den Einsatz deutscher Taurus-Marschflugkörper abgehört wurden, ist auch digitalpolitisch hochrelevant. Denn wie war das Abhören des Gespräches technisch möglich? Haben die Personen auch Zugriff auf andere Daten der Bundeswehr und was bedeutet das für die Sicherheit Deutschlands? SZ Dossier hat sowohl mit einem Cybersicherheitsexperten, als auch mit einem hochrangigen Beamten aus dem Bundesverteidigungsministerium darüber gesprochen. Für sie sieht es eher aus, als seien keine weiteren Daten betroffen — aber der Reihe nach.
Sven Herpig, Cybersicherheitsexperte der Stiftung Neue Verantwortung, sagt es gehe vor allem um vier Punkte. Zunächst einmal um die Authentizität des Gespräches: Ist es echt oder handelt es sich möglicherweise um einen Deepfake? Der zweite Punkt sei, nachzuforschen, ob die IT-Systeme kompromittiert seien, oder ob das Gespräch beispielsweise dadurch aufgezeichnet wurde, dass es eine physische Wanze im Hotelzimmer gegeben hat, die also nichts mit dem Computersystem zu tun hat.
Nur wenn diese beiden Punkte ausgeschlossen seien, werde es besonders heikel, denn dann „handelt es sich vermutlich um eine Kompromittierung von IT-Systemen.“ Die Angreifenden müssten sich also übers Netz Zugriff auf den Call verschafft haben. Auch da gebe es wieder zwei Abstufungen: Waren private Geräte dabei involviert? Wenn beispielsweise einer der Teilnehmer ein privates Handy genutzt hat für den Call oder den Link über eine private Mailadresse verschickt habe, sei das Sicherheitsniveau in der Regel deutlich niedriger. Wesentlich heikler wäre es jedenfalls, wenn das ausgeschlossen sei und dienstliche Geräte betroffen seien.
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