Tiefgang
Abhörskandal: Haben Offiziere Sicherheitsvorkehrungen missachtet?
Lesedauer: 5 Min.
Wie war es den russischen Spionen technisch möglich, die Webex-Telefonschalte der Offiziere zu Taurus abzuhören? Solange der Bericht des militärischen Abschirmdienstes (MAD) noch nicht da ist, kann dazu nichts mit Sicherheit gesagt werden, doch es gibt bereits einige Hinweise. Bei der Bundeswehr sind Schalten über Webex bis zur Geheimhaltungsstufe „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ (VS - NfD) zugelassen. Daten gelten dort also als sicher – es sei denn, jemand umgeht aktiv diese Verschlüsselung.
Wie mein SZ-Kollege Georg Ismar berichtete, soll sich der Teilnehmer in Singapur – Brigadegeneral Frank Gräfe – dem Vernehmen nach per Handy eingewählt haben.
Cybersicherheitsexperte Sven Herpig von der Stiftung Neue Verantwortung sagte: „Wenn sich jemand über das Telefonnetz, beispielsweise mit einem privaten Telefon, in den Call einloggt, und nicht über die App, wird der Anruf nicht verschlüsselt.“ Das bedeutet, der jeweilige Provider – also das singapurische Pendant zu Vodafone oder Telekom – kann auf das Gespräch zugreifen, ganz egal, wie hoch die Sicherheit des Anbieters Cisco oder der Bundeswehr-IT generell ist. Die Spione müssten dann „nur noch“ den Provider – oder eine andere Stelle im Routing des Anrufs – kompromittiert haben oder diese Stelle hat die Daten weitergegeben. „Aus IT-Sicherheitsgründen wäre das vermutlich noch der beste Fall“, sagte Sven Herpig. „Dann hätte niemand ein Bundeswehr-System kompromittiert, sondern nur einen Provider. Allen Personen, die im Call waren, hätte dann aber vermutlich angezeigt werden sollen, dass die Verbindung nicht sicher ist.“
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