Gastbeitrag
Außenwirtschaft als Machtinstrument
Lesedauer: 9 Min.

Michael Hüther
Direktor, Institut der deutschen Wirtschaft
Seit 2004 leitet Hüther das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Von 1995 bis 1999 war er Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zwischenzeitlich hat er im Privatsektor, bei der Deka-Bank, als Ökonom gearbeitet. Michael Hüther ist stellvertretender Vorsitzender der Atlantik-Brücke.
Kriege ohne strategische Fundierung bestimmen derzeit die weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage. Während Putin im fünften Kriegsjahr feststeckt zwischen Geschichtsklitterung, zunehmender ökonomischer Spannung im eigenen Land und dem hartnäckigen und innovationsgetragenen Widerstand der Ukraine, taumelt Trump unberechenbar zwischen den Extremen im Umgang mit Iran hin und her. Das Ende beider Kriege ist nicht absehbar; die dahinterstehenden Konflikte bleiben ungelöst. Die notorischen Lügen aus dem Kreml spiegeln sich in selbstreferenziellen Visionen des Weißen Hauses. Von einer Weltordnung kann man angesichts dessen und eingedenk der chinesischen Politik nicht sprechen. Ungewissheit ist das Kennzeichen unserer Zeit.
Damit sind übliche Instrumente der Risikowahl, der Risikovermeidung und des Risikomanagements nachrangig geworden. Denn der Umgang mit Ungewissheit kann nicht durch die Vorbereitung spezifischer Lösungen und das Suchen nach gezielten Antworten geleistet werden. Es hilft betriebswirtschaftlich, volkswirtschaftlich und auch gesellschaftlich nur eine Strategie, die auf die Stärkung und die Sicherung der Resilienz zielt. Resilienz lässt sich als Fähigkeit definieren, nach Schocks zügig und kräftig zurückzufedern (Markus Brunnermeier). Starre Strukturen stehen einer solchen Regenerationsfähigkeit ebenso im Wege wie starre Sichtweisen und die Orientierung an Orthodoxien.
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