Meldung
KI als Heilmittel gegen den Fachkräftemangel?
Diese Meldung stammt aus dem folgenden Briefing des Dossiers Digitalwende:
Die über Deutschland verteilten Zukunftszentren veranstalten heute in Berlin unter dem Motto „Fit für den Wandel: Mit digitalen und KI-Anwendungen dem Fachkräftemangel begegnen“ eine Jahrestagung, zu der auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eingeladen ist. „Die Arbeit der Zukunftszentren zeigt, wie wichtig es ist, kleine und mittlere Unternehmen in den großen Veränderungsprozessen der Arbeitswelt zu unterstützen“, sagte Heil vorab SZ Dossier. Besagte Zentren, 14 an der Zahl, befähigen laut ihrer Mission „Unternehmen und deren Beschäftigte sowie (Solo-)Selbständige, den demografischen, digitalen und ökologischen Wandel zu gestalten“. Fröhlicher Minister: Finanziert werden die Zentren aus Mitteln des Arbeitsministeriums (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds Plus, Heil gab sich vor der Veranstaltung euphorisch. „Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die heute ihre Erfolgserlebnisse mit uns teilen, haben bewiesen, dass digitale und KI-Anwendungen Betriebe nicht nur wettbewerbsfähiger machen, sondern auch ihren Beschäftigten einen Mehrwert bringen“, sagte der Minister, neben dem auch Wissenschaftler und Unternehmer zur Jahrestagung eingeladen sind.
Skeptische Professorin: „Aktuell wird KI oft als Lösung für den Fachkräftemangel thematisiert – das ist aus mehrfacher Hinsicht zu kurz gedacht“, sagte etwa Soziologie-Professorin Sabine Pfeiffer, die der Tagung beiwohnt. „Zum einen, weil die Branchen mit dem größten Mangel, Fachkräfte suchen, für die digitale Technik sehr lange keinen Ersatz bieten wird: Gastronomie, Handwerk, Pflege – dabei geht es immer um den Umgang mit Mensch und Material und damit auch um körperliche Arbeit“, sagte Pfeiffer. Keine Zauberei: Zum anderen sei KI „nur gut in ihrem sehr eng angelernten Bereich“, sagte die Soziologin. In komplexen, sich wandelnden Arbeitswelten werde die Technologie daher sehr lange allenfalls schmale Facetten einzelner Tätigkeiten unterstützen. Und zum Dritten: „Wenn KI in der Arbeitswelt gut funktionieren soll, muss beim initialen Lernprozess und über die Zeit des Einsatzes immer wieder menschliche Arbeit reingesteckt werden.“ Das werde laut Pfeiffer gerne übersehen. „KI ermöglicht viel, ist aber nicht der magische Knopf, auf den wir drücken und dann ist der Fachkräftemangel einfach weggezaubert.“ Gebeutelter Unternehmer: Doch „der demografische Wandel, das Fehlen von Nachwuchskräften, das Stocken der Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt und die Veränderung der Lebensentwürfe der jungen Generation“ lasse Unternehmern keine Wahl als nach Lösungen zu suchen, sagte Torsten Matusch, der als Inhaber der Textilpflege-Firma Cleanteam Berlin eingeladen ist. Es gebe „existentielle Probleme, gerade für KMU“, sagte Matusch SZ Dossier. Mit seinem Handwerksbetrieb müsse er inzwischen „hoher Fluktuation, sprachlichen Barrieren und immer höher werdendem Leistungsdruck begegnen.“ Seine Antwort darauf: „Arbeitsprozesse rationalisieren, automatisieren und digitalisieren“, so Matusch. Den Mitarbeitenden durch E-Learning den Onboardings- und Weiterbildungsprozess zu erleichtern, durch Automatisierung Arbeitsprozesse zu beschleunigen sowie den Output pro Mitarbeiterstunde zu erhöhen, helfe, „die finanzielle Wertschätzung der Arbeit deutlich zu erhöhen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und alte zu halten.“
Jetzt mit
SZ Pro-Abo weiterlesen
Probeabo
79,99 €
0,99 €
Nach 4 Wochen kostet das Abo 79,99 € monatlich.
Werktäglich die Fachbriefings von SZ Dossier
Voller Zugriff auf SZ.de, SZ-Magazin.de und SZ-Dossier.de
Die digitalen Ausgaben der SZ – in der App und als E-Paper
Bereits SZ Pro-Abonnent? Einloggen
Ihr persönlicher Kontakt
Cornelia Schwarzmüller
089 2183 8825Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail an service@sz-dossier.de.