Gastbeitrag
Pekings leiser Tech-Vormarsch im Globalen Süden
Lesedauer: 5 Min.

Marina Rudyak
Kreml- und Zhongnanhai-Watcherin
Die Sinologin Marina Rudyak forscht an der Universität Heidelberg zur geopolitischen Rolle Chinas mit Fokus auf dem globalen Süden. Sie ist Mitbegründerin des Decoding-China-Dictionary, das den Sprachgebrauch der Kommunistischen Partei aufschlüsselt. Sie ist in Moskau geboren.
„Digital Silk Road”, „Space Silk Road", „Global AI Governance Initiative”: In der europäischen Debatte weitgehend unbeachtet verfolgt Peking gegenüber Entwicklungsländern eine Hightech-Diplomatie, die den Abbau eigener Überkapazitäten mit einer geopolitischen First-Mover-Strategie verbindet. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Raumfahrt und Weltraumtechnologie spielen in der chinesischen Entwicklungsdiplomatie gegenüber dem Globalen Süden eine immer zentralere Rolle.
Seit 2023 verschiebt sich der Fokus der „Digitalen Seidenstraße“ von „harter“ Infrastruktur wie Telekommunikationsnetzen, Glasfaser- und Seekabeln hin zu „weicher“ Konnektivität – also zu KI-Governance, Standardsetzung, Capacity-Building und Service-Plattformen. China baut nicht mehr „nur“ Rechenzentren, sondern liefert zunehmend auch integrierte Pakete aus KI-Modellen, Trainingsplattformen, Governance-Regeln, Ausbildung und diplomatischer Rückendeckung in multilateralen Foren.
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