Guten Morgen. Was, wenn Zensur dazu führt, dass Teile des Internets verlorengehen, also des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft? Diese Frage stellt sich eine Autorin der New York Times. Anlass ist ein Beitrag auf der chinesischen Plattform Wechat. Demnach seien nahezu alle zwischen 1995 und 2005 auf chinesischen Nachrichtenportalen, Blogs, Foren und Social-Media-Seiten veröffentlichten Informationen nicht mehr verfügbar.
„Wenn man jetzt noch einige frühe Informationen im chinesischen Internet sehen kann“, schrieb der Nutzer, „sind sie bloß die letzten Strahlen der untergehenden Sonne.“ Der Post wurde mittlerweile selbst zensiert, ist aber über Umwege noch erreichbar.
Generell schrumpft das chinesische Online-Angebot. Demnach gab es laut der Internetregulierungsbehörde des Landes im vergangenen Jahr in China 3,9 Millionen Webseiten, mehr als ein Drittel weniger als es noch 2017 der Fall gewesen sei. Nicht nur Postings und Webseiten verschwinden durch die Zensur, sondern auch die Privatprofile unliebsamer Bürgerinnen und Bürger – und damit deren persönliche Geschichte im Netz.
Das Internet ist groß und weit: Ian Johnson, ein langjähriger China-Korrespondent und Autor, gründete die Plattform China Unofficial Archives. Das Ziel: Blogs, Filme und Dokumente außerhalb des chinesischen Internets zu bewahren.
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